Exposê: Kurz und für immer


Helena fährt jeden Tag mit dem Fahrrad an einem Krankenhaus vorbei, in dem ihr Freund David nach einem schweren Unfall seit Monaten auf der Intensivstation liegt. Sie darf ihn nicht besuchen, weil seine Mutter es verboten hat. Davids Mutter gibt Helena die Schuld an dessen Unfall. Helena hat nach dem Unfall ihr Studium geschmissen, ist dreimal umgezogen, übernimmt ehrenamtliche Aufgaben und befindet sich in ambulanter Therapie. Die Therapeutin schlägt ihr schließlich vor, Kontakt zu den Eltern von David aufzunehmen, um deren Vertrauen zu gewinnen. Helenas anschließender Besuch bei den Eltern endet mit körperlichen Attacken der Mutter gegen Helena. Die Therapeutin empfiehlt Helena daraufhin, abzuwarten und sich um ihr eigenes Leben zu kümmern.

Helena kauft sich für ihre neue Wohnung Möbel und übernimmt eine neue ehrenamtliche Aufgabe in einem ambulanten Pflegedienst. Sie macht jeden Tag einen Spaziergang mit Paul Matussek, einem älteren Herrn, der an Alzheimer erkrankt ist. Während dieser Spaziergänge spricht Helena aus, was sie sonst niemandem erzählen kann. Sie erzählt ihm, dass sie dem an sich selbst zweifelnden David einen wichtigen Seminarschein beschafft hat, indem sie den zuständigen Professor sexuell befriedigte. Sie erzählt weiter, dass David das zufällig gesehen habe und es anschließend zu seinem Unfall kam.

Bei den Terminen mit der Therapeutin wiederum erzählt Helena von ihren Eltern. Ihre Mutter ist Hausfrau und eine Alkoholikerin. Der Vater, ein bekannter Universitätsprofessor und Sachbuchautor, war bisexuell und hat Suizid begangen. Helena hat viel Geld und ein Haus am Meer geerbt. Sie ist sehr vermögend.

Durch eine Kollegin im Ambulanten Pflegedienst bekommt Helena schließlich die Möglichkeit, David im Krankenhaus zu besuchen. Davids Eltern wissen davon nichts. David ist seit seinem Unfall bis zum zweiten Halswirbel gelähmt, er ist ein lebenslanger Pflegefall.

Helena hat keine Freunde, sie trifft sich gelegentlich mit Erik, einem Bekannten aus der Uni-Zeit. Erik ist homosexuell, was er seinen einflussreichen, wohlhabenden Eltern nicht erzählt, da die für Homosexualität kein Verständnis haben. Eriks Eltern glauben, Helena sei Eriks Verlobte. Helenas Vater und Eriks Eltern waren gute Bekannte.

Helena erzählt ihrer Therapeutin schließlich, dass Erik der heimliche Liebhaber von ihrem Vater war. Sie erklärt, dass ihr Vater große Angst vor sozialen und finanziellen Nachteilen hatte, wäre die Beziehung zu Erik bekannt geworden. Sie erzählt, dass sie ihren Vater damit erpresst hat. Sie hat ihn dafür bestraft, dass er sie der alkoholkranken Mutter überlassen hat. Wegen der Mutter leidet Helena unter Angststörungen in der Nacht. Diese Angststörungen hatte sie nicht, wenn David bei ihr war.

David teilt Helena bei einem ihrer nächsten Besuche mit, dass er als Pflegefall nicht mit ihr zusammenleben will. Unterdessen bereitet Davids Mutter alles vor, damit David zurück in sein Elternhaus und in sein „Kinderzimmer“ kann. Er ist Einzelkind und wird von der Mutter überbehütet. David lässt alles geschehen, er hat keinen Lebensmut mehr. Als die Mutter auf Helena im Krankenhaus trifft, eskaliert die Situation. Helena weiß, dass Davids Mutter alles tun wird, um den Kontakt zwischen ihr und David zu verhindern.

Helena will ohne ihn nicht leben, sie beschließt, ihr Leben zu beenden. Sie besorgt sich Morphium bei einem Arzt und schleicht sich zu David ins Krankenzimmer. Sie möchte, wenn sie stirbt, nicht allein sein. Helena gibt David etwas zum Einschlafen, wovon er nichts weiß. Sie will nicht, dass er stirbt. Sie verabreicht sich selbst eine Überdosis Morphium.

 

Während einer zufälligen Kontrolle des Stationsarztes im Nachtdienst wird Helena entdeckt und in einem anderen Krankenzimmer reanimiert. Unterdessen wacht David auf. Die Krankenzimmer sind durch Glasscheiben verbunden und einsehbar. David sieht, dass jemand reanimiert wird und spürt sofort, dass es Helena ist. Die Reanimation gelingt. David unterdessen zieht sich mit dem Mund selbst den Beatmungsschlauch von der Trachealkanüle und erstickt. Der Alarm an seinem Monitor wird zu spät wahrgenommen. Der Arzt versucht vergeblich, David zu reanimieren, er ist tot. Jetzt stirbt auch Helena. Die anwesende Krankenschwester unternimmt nichts, um Helena noch einmal zu reanimieren.

Helena und David verlassen als „tote Liebende“ gemeinsam das Krankenzimmer. Ende.